GEO und KI: Was Websites heute sichtbar macht

Als ich meine Website entwickelte, suchte ich eine Grafikdesignerin für mein Logo.

Die Idee und die Zeichnung hatte ich bereits. Und eigentlich hatte ich auch alles, was ich für die Vektorisierung gebraucht hätte. Nur fehlte mir inzwischen die ruhige Hand für diese feine, präzise Arbeit. Deshalb war für mich klar: Diesen Teil wollte ich lieber jemandem überlassen, der genau darin richtig gut ist.

Ich schaute mir Portfolios an, verglich Stile und Preise und stellte irgendwann fest: Die Designerinnen, deren Arbeit mir gefiel, lagen außerhalb des Budgets, das ich für diesen Teil meines Unternehmens eingeplant hatte. Langsam wurde die Suche ziemlich frustrierend.

Dann kam mir die Idee, ChatGPT suchen zu lassen. Ich gab ihm einen ziemlich konkreten Auftrag. Es sollte im Internet nach einer sehr guten Grafikdesignerin suchen und mir drei Vorschläge machen. Dabei sollte es berücksichtigen, wie mein Logoentwurf aussah, welche Farben ich verwendete und welche gestalterische Richtung zu meinem Unternehmen passte.

Wenige Sekunden später hatte ich drei Namen. Zwei davon konnte ich schnell abhaken. Gute Arbeiten, aber nicht meine Welt. Und dann kam Nummer drei.

Ich öffnete ihre Website und dachte sofort: Das ist sie.

Ich schaute mir ihre Referenzen genauer an und merkte schnell, dass ihr Stil sehr gut zu mir passte. Besonders die Logos, die sie bereits entworfen hatte, trafen genau die Richtung, die ich für mein eigenes Logo gesucht hatte.

Ich schrieb ihr eine E-Mail, und kurze Zeit später telefonierten wir miteinander. Dabei erzählte ich ihr natürlich auch, wie ich auf sie gekommen war. Ihre Reaktion überraschte mich.

Nicht, weil ChatGPT sie empfohlen hatte. Sondern weil ihre Website seit längerer Zeit nicht mehr grundlegend aktualisiert worden war. Plötzlich hatten wir beide dieselbe Frage:

Warum hatte die KI ausgerechnet sie so schnell gefunden?

Denn rund um KI-Suche, GEO und die Zukunft von Google entsteht derzeit schnell der Eindruck, Websites müssten sich vollkommen neu erfinden, um überhaupt noch sichtbar zu bleiben.

Neue Strukturen. Neue Optimierungen. Inhalte speziell für KI. Möglichst viele eindeutige Signale. Maschinenlesbarkeit. Autorität. Aktualität. Und sicherlich steckt hinter vielen dieser Empfehlungen etwas Sinnvolles.

Aber vielleicht lohnt sich ein genauerer Blick.

Google selbst schreibt beispielsweise, dass für seine KI-Funktionen weiterhin die grundlegenden SEO-Prinzipien gelten und keine speziellen zusätzlichen technischen Anforderungen notwendig sind. Entscheidend bleiben unter anderem zugängliche, hilfreiche und relevante Inhalte.

Das bedeutet natürlich nicht, dass GEO bedeutungslos wäre. Und schon gar nicht, dass wir unsere Websites einfach zehn Jahre unangetastet stehen lassen sollten.

Aber mein kleines Experiment hat bei mir eine andere Frage ausgelöst:

Verwechseln wir gerade manchmal Optimierung mit Voraussetzung?

Vielleicht wurde diese Grafikdesignerin nicht gefunden, obwohl ihre Website länger nicht überarbeitet worden war.

Vielleicht wurde sie gefunden, weil trotzdem genügend Informationen vorhanden waren, anhand derer die KI erkennen konnte, was sie macht, welchen Stil sie hat und für welche Art von Anfrage sie relevant sein könnte.

Vielleicht spielten Inhalte ihrer Website eine Rolle. Vielleicht andere Erwähnungen im Netz. Vielleicht klassische Suchsignale. Vielleicht mehrere Quellen gleichzeitig.

Und genau hier wird es interessant.

KI sucht anders als wir es von Google gewohnt sind. Sie schaut nicht nur nach einzelnen Begriffen, sondern versucht zu verstehen, was wir eigentlich suchen und welche Informationen dazu passen. Dabei kann sie verschiedene Quellen miteinander verbinden.

Das verändert die Art, wie wir über Sichtbarkeit nachdenken können.

Vielleicht wird es künftig weniger darum gehen, für das eine Keyword ganz oben zu stehen – und stärker darum, für eine sehr konkrete Frage die passende Antwort, das passende Angebot oder die passende Expertise zu sein.

Meine Grafikdesignerin war jedenfalls genau das. Und deshalb beschäftigt mich seitdem weniger die Frage:

„Ist meine Website schon GEO-optimiert?“

Sondern vielmehr: Kann eine KI eigentlich eindeutig verstehen, wer ich bin, was ich anbiete und für wen ich die richtige Wahl sein könnte?

Vielleicht ist das am Ende die spannendere Frage. Was meinst du: Müssen wir unsere Websites für die KI tatsächlich völlig neu denken – oder machen wir das Thema gerade komplizierter, als es sein müsste?

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