Was ein einäugiger Kater mir über Marketing beigebracht hat

Eigentlich wollte ich nur kurz schauen, was auf Instagram so läuft. Ein bisschen scrollen, ein paar Trends abchecken – du kennst das. Stattdessen bin ich an einem Reel hängengeblieben, das mich seitdem nicht mehr loslässt: vom Kanal @liloydante.

Instagram kennt mich ziemlich gut. Neben Marketing-Trends bekomme ich vor allem eins serviert: Tiervideos. Kleine Schwäche, ich weiß. Aber dieses hier war anders. Es war nicht nur süß – es war richtig gutes Marketing. Nur eben ohne, dass es sich wie Werbung anfühlte.

Ein Reel, das hängenbleibt

In dem Video macht Kanita, die Frau hinter dem Kanal, Werbung für eine Futtermarke. Klingt erst mal nach Scroll-weiter-Content. Aber sie verpackt die Werbung so charmant und humorvoll in den Alltag von Lilo, dass ich am Ende grinsen musste, mein Herz wurde weich, und am Ende hätte ich dieses Futter fast bestellt – obwohl meine zwei daheim bestens versorgt sind und ohnehin schon genug Meinung zu ihrem Napf haben.

Und genau da wurde es für mich als Marketing-Mensch spannend.

Hinter dem Humor steckt eine echte Geschichte

Lilo ist kein Hochglanz-Werbekater. Er wurde von der Straße gerettet, ihm fehlt die Sehkraft auf einem Auge, er hat Asthma und ein paar andere Baustellen. Kanita kümmert sich genau um solche Fälle: Sie holt Streuner mit schwierigen Geschichten von der Straße, päppelt sie auf, macht sie gesund – und sucht danach Menschen, die ihnen ein Zuhause geben. Eine wunderbare Sache.

Was das mit Marketing zu tun hat? Alles.

Denn Kanita verkauft nicht „Futter“. Sie erzählt die Geschichte von Lilo – und das Futter ist einfach ein Teil dieser Geschichte. Du lachst über Lilos Macken, du fühlst mit ihm, und am Ende ist die Marke da, ganz selbstverständlich, ohne Druck. Das ist Storytelling im Marketing in seiner ehrlichsten Form.

Muss man dafür wirklich Marketing lernen?

Und damit zu der Frage, die mir beim dritten Mal Anschauen kam: Kanita hat kein Marketing studiert. Sie hat vermutlich nie etwas von Funnels, Hooks oder Conversion gehört. Trotzdem arbeitet sie mit renommierten Marken zusammen und macht Content, von dem viele Unternehmen mit großem Budget nur träumen. Wie geht das?

Die ehrliche Antwort: Kanita macht intuitiv das, was Marketing im Kern ausmacht. Sie hat eine echte Geschichte, eine echte Haltung – und sie traut sich, Persönlichkeit zu zeigen. Humor, Emotion, ein Charakter, mit dem man mitfiebert. Das sind keine Tricks aus dem Lehrbuch. Das ist menschliche Verbindung. Und Verbindung verkauft. Immer.

Was Kanita instinktiv richtig macht

Wenn ich auseinandernehme, warum dieses Reel funktioniert, kommen genau die Dinge heraus, die ich auch Kunden ans Herz lege:

  • Eine Hauptfigur, mit der man mitfühlt. Lilo ist nicht perfekt – und genau deshalb liebt man ihn. Perfektion ist langweilig, Persönlichkeit bleibt hängen.
  • Emotion vor Information. Niemand merkt sich eine Nährwerttabelle. Aber den einäugigen Kater, der trotz allem die Welt erobert? Den vergisst du nicht.
  • Humor als Türöffner. Wer schmunzelt, bleibt. Wer bleibt, hört zu. Und wer zuhört, kauft eher.
  • Werbung, die sich nicht wie Werbung anfühlt. Die Marke drängt sich nicht auf, sie gehört einfach zur Geschichte dazu.

Das ist kein Zufall. Das ist Marketing – auch wenn Kanita es selbst nie so nennen würde.

Die etwas unbequeme Wahrheit

Heißt das jetzt, jeder müsste Marketing lernen? Das musst du selbst entscheiden.

Intuition bringt dich erstaunlich weit – wenn du eine echte Geschichte und Mut zur Persönlichkeit hast. Was Kanita auszeichnet, bekommst du in keinem Kurs: Authentizität. Aber: Aus einem viralen Moment ein verlässliches Standbein zu machen, ist noch mal eine andere Hausnummer. Da kommen Strategie, Konstanz und ein Gespür dafür ins Spiel, was zu wem passt. Genau diese Lücke zwischen „ich habe da ein gutes Gefühl“ und „das funktioniert planbar“ ist der Punkt, an dem Marketing-Know-how den Unterschied macht.

Was du daraus mitnehmen kannst

Du musst kein Marketing studieren, um Menschen zu berühren. Aber du brauchst eine Geschichte, die ehrlich ist – und den Mut, sie zu erzählen. Frag dich also nicht zuerst „Welcher Trend läuft gerade?“, sondern: Was ist meine Lilo-Geschichte? Was ist das Echte hinter dem, was ich anbiete?

Wenn du das hast, ist der Rest Handwerk. Und Handwerk lässt sich lernen – oder abgeben.

Ich für meinen Teil bin Kanita dankbar. Sie hat mir an einem ganz normalen Scroll-Abend gezeigt, dass das beste Marketing oft das ist, das gar nicht nach Marketing aussieht. Und Lilo? Der hat ohne ein einziges Buzzword mehr Marketing-Talent bewiesen als so manche Kampagne mit fünfstelligem Budget.

Foto: Kanita Mukanovic

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